AFG-Mandat: Verspätung
An seinem ersten Arbeitstag wird Verteidigungsminister Freiherr zu Guttenberg (FzG) sich eingestehen müssen, dass er nicht 100 Tage Schonfrist für sich beanspruchen kann, denn im Dezember steht die Verlängerung des Bw/AFG-Mandats durch den Bundestag an.
Als politisch sakrosankt erscheint die bisherige Obergrenze von 4.500 Soldat(INNEN). Am Rande des CSU-Parteitages hat sich der Minister über PHOENIX-TV am 26.10. dahingehend geäussert. “Optimierungsbedarf” hat er eingestanden; der müsse aber “nicht zwingend immer mit Aufstockung verbunden” sein.
Eigentlich müssten die verantwortlichen Militärs ihren obersten Dienstherrn schon mit dem Lagebericht gedient haben. Uns hat man dazu verholfen:
- Derzeit ist 4.312 Militärpersonal vor Ort; zur Mandatsobergrenze hat man also gerade 188 Reserve;
- Nimmt man nur die Personal-Forderungen des 19. Kontingentberichtes, ist man schon über der 4.500-Marke;
- Nur die militärische Führung sitzt auf den konkreten Zahlen. Unsere ganz grobe Daumenpeilung ergibt, dass eine Anpassung auf etwa 4.800 (4.900) zwingend notwendig ist;
- Die Zahl 7.000 schwirrt nicht ohne Grund seit längerem.
Im Bereich Finanzen und Material ist die Forderung unbestritten, dass der Truppe im Einsatz “alles” zur Verfügung zu stellen ist. Gilt das nicht für autoritative personelle Forderungen?
Der Hinweis darauf, dass man doch erst einmal die AFG-Konferenz im Frühjahr 2010 abwarten solle, lässt die Kameraden in AFG für mindestens ein halbes Jahr hängen.
{Eine Sekunde Verspätung sollte man sich in bestimmten Situationen nicht erlauben}
Donnerstag, 29. Oktober 2009 um 19:17
… oder wie ein sehr verehrter Hörsaalleiter in Plön immer sagte: Eine Sekunde ansich ist nicht viel. Eine Sekunde am Halse aufgehängt könnte den T O D bedeuten.
Eine Obergrenze kann, meiner Ansicht nach, nicht politisch festgelegt werden. Schon gar nicht aus Gründen der vermeindlich öffentlichen Diskussion. Einzig militärische Gründe sollten da ausschlaggebend sein. Irgendwann stossen wir dabei natürlich an Grenzen. Dann müssen wir uns fragen ob wir den Auftrag noch erfüllen können. Klingt doch wirklich ganz einfach oder?
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Donnerstag, 29. Oktober 2009 um 21:45
Es geht am ersten Arbeitstag des neuen Ministers offensichtlich noch nicht – und wen wundert es -um eine aufrichtige Auseinandersetzung mit Erfahrungsberichten zuständiger Kommandeure, es geht nicht um eine ungeschminkte politische Lagebeurteilung auf der Grundlage militärischer und fachkundiger Meldungen aus dem Einsatzland, es geht um das, was man oberflächlich verstehen und diskutieren kann, es geht also wie immer um Obergrenzen, die dann haushalterisch abzusichern sind.
Es geht also (noch) nicht darum, in einer grundlegend veränderten politischen und militärischen Lage die politischen, juristischen und militärischen Rahmenbedingungen für den Einsatz deutscher Staatsbürger in Afghanistan dieser veränderten Lage fürsorglich anzupassen und so die Voraussetzungen für größere Überlebenschancen und bessere Auftragserfüllung zu schaffen. Das ist ein permanentes Armutszeugnis deutscher Sicherheitspolitik. Und weil deutsche Sicherheitspolitik so schlecht ist, schießen Zahlen-Spekulationen ins Kraut.
Wenn der Generalinspekteur nicht in der Lage oder nicht mutig genug ist, sachkundig zu beraten, oder wenn ggf. die “Sicherheitspolitischen Experten” nicht in der Lage sind, seinen mutig vorgebrachten militärfachlichen Rat zu verstehen, dann sollte man das Herz haben, eine Obergrenze politisch auf 10.000 festzulegen. Das würde grundsätzlich die Möglichkeit schaffen, flexibel und fürsorglich auf Lageverschärfungen zu reagieren und die Operationen – auch offensiv – so zu gestalten, dass den Aufständischen Zug um Zug der Boden entzogen und ein gesicherter Aufbau Afghanistans möglich wird. Wenn dann die Ausrüstung ständig so verbessert wird, dass unsere Soldaten im Kleinkrieg gegen die Taliban oder in kriegsähnlichen Situationen beim Kampf gegen Aufständische mit noch größerer Aussicht auf Erfolg bestehen können, wären wir einen großen Schritt weiter. Erfolg im Hinblick auf selbsttragende Sicherheit Afghanistans ist nicht billig zu haben! Wir alle hoffen, dass die Hoffnungen in Herrn zu Guttenberg nicht trügen.
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Samstag, 31. Oktober 2009 um 19:43
Die Mandatsobergrenze stellt nicht einfach eine x-beliebige Zahl dar, sondern bietet den Bündnispartnern einen verlässlichen Rahmen darüber, was ein Land innerhalb kürzester Zeit verfügbar machen kann.
Dazu gehören u.a. die entsprechenden Kapazitäten im Rahmen der einsatzvorbereitenden Ausbildung (Personal-Ausbilder, Material-Waffen, Fahrzeuge, Sprengmittel, Hubschrauber etc.), die entsprechenden Verlegekapazitäten (Flugzeuge, Hubschrauber, evtl. Schiffe, Fahrzeuge…).
Legt man die Mandatsobergrenze auf 10.000 fest, muss man entsprechend viele Soldaten ständig einsatzbereit halten-und das kostet nunmal enorm viel Geld.
Die Bundeswehr ist aufgrund ihrer Struktur nicht vergleichbar mit anderen Armee, welche “ständig” auf Abruf sitzen und mal eben mit einer gesamten Kompanie/einem Bataillon oder Regiment ins Einsatzland verlegen.
Die Bundeswehr zieht ihre Einsatzkontingente aus allen Standorten in Deutschland zusammen; gerade die vielen Spezialisten (Feuerwerker, Ärzte, Sanitäter, Piloten etc.) sind überhaupt nicht in der entsprechenden Anzahl vorhanden (bzw. einsatzbereit), um die o.a. Mandatsobergrenze erfüllen zu können.
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Sonntag, 1. November 2009 um 08:54
Das die die Zahl insgesamt nicht beliebig ist, kann man auch Dank ihrer Herleitung gut verstehen. Ggf. liegt auch da einer der Gründe die Bundeswehr umorganisieren zu wollen. Wir sind eben nicht auf den Einsatz optimiert. Allerdings ist ein sklavisches Festhalten an der Obergrenze, zumal die militärische Seite etwas anderes fordert, den Soldaten gegenüber nicht zu rechtfertigen. Es ist nicht nur einmal vorgekommen das Truppenteile in den Heimaturlaub geschickt wurden, um die Obergrenze nicht zu überschreiten. Sicher können wir uns keine Soldaten, erst Recht nicht sehr Spezialisierte, backen. Es geht um Sieg oder Niederlage. Werden mehr Soldaten gebraucht um diesen zu eringen dann muss alles getan werden, um dieses zu ermöglichen. Sollte es nicht möglich sein, müssen wir den Auftrag überdenken.
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Sonntag, 1. November 2009 um 18:59
Lieber Papa,
ich gratuliere Dir zum Blog!
Im Gegensatz zu Dir verstehe ich zwar nichts von Politik, nur ein wenig von Sicherheit – aber einiges von Fleiß und Leidenschaft für eine Sache. Beides habe ich bei geopowers.com + geopowers.net gefunden.
So proud to be your daughter….!
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Sonntag, 1. November 2009 um 23:03
Sehr geehrter Herr Forster, sehr geehrte Rixi, als Vater von 2 wunderbaren Töchtern wird mir bei diesem Beitrag warm ums Herz. So zeigt er mit wenigen Sätzen, was wirklich wichtig ist im Leben. Danke.
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