China’s Militär: überlegen
Verspätet ist diese Meldung, dass die Super-Nachdenker der “Stiftung Wissenschaft und Politik” zum Thema “Chinas militärische Entwicklung” eine 26-seitige Untersuchung verfasst haben, die man sich wenigstens in die Festplatte stellen sollte.
Die Autoren Sophie-Charlotte Brune, Sascha Lange und Janka Oertel stellen beruhigend fest (S. 25):
“Mit den U.S.-Streitkräften wird sich das chinesische Militär aber selbst in dem weiter gefassen Zeitrahmen bis 2020 nicht messen können.”
Ob es die russische, chinesische, indische oder sonstige konventionelle Aufrüstung eines Staates betrifft, über die man schon heutzutage Bedrohliches lesen kann: Bis 2020 darf man sich u.E. bezüglich konventioneller symetrischer Kriegsszenare grösseren Kalibers getrost ins Bett begeben.
Geht man davon aus, dass die finanz-/wirtschaftspolitischen Innendrücke selbst die grossen Militärambitionen stutzen werden, schläft man noch länger.
Ein waches Auge sollte aber dem nuklearen Szenar gelten. Wie sicher ist die Erwartung, dass bis 2020 der durchgeknallte Abschuss nur einer einzigen Nuklearwaffe passiert? Hat die “westliche” Abschreckungsstrategie darauf eine adäquate Antwort (ausser MAD)? Wie schön, dass die Deutschen darauf keine Antwort geben müssen.
{Überlegen macht überlegen}
Donnerstag, 5. November 2009 um 04:52
Einmal mehr zeigt SWP, warum sie bzgl Streitkraefte- und Technologie-Analyse irrelevant sind.
Bemerkungen in dieser “Untersuchung” sind inhaltlich falsch (siehe die “vielen in Produktion oder Entwicklung befindlichen” Kampfflugzeugprogramme) oder gehen komplett ueber die Realitaet hinweg – keine Bemerkungen zur Existenz oder Signifikanz von DF-21C AShBM fuer konventionelle, speziell Taiwan-Szenarien, kein Wort zu kuestennahen Optionen im gleichen Kontext basierend auf der massiven Beschaffung von Typ 022 und den Implikationen fuer vernetzte Operationen (zum Typ 022 faellt ein Halbsatz, der quasi nichts aussagt), kein Wort zu den amphibischen Aspekten, kein Wort zu Soft Power basierend auf der Beschaffung eines Lazarettschiffs nach Mercy-Muster (bisherige Kapazitaet ausschliesslich bei den USA zu finden). Der komplette Absatz zur Modernisierung der Landstreitkraefte ist hoechst fragwuerdig.
Dieser Report sieht aus, als waere er 2004 geschrieben und jetzt aus der Schublade gezogen worden.
Ins Bett sollte sich nur legen, wer gern mal verschlaeft.
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Donnerstag, 5. November 2009 um 08:56
Die Kaiserliche Marine hat es einst binnen weniger Jahre geschafft, die Royal Navy ins Schwitzen zu bringen und die geplante 2/3 Stärke erreicht.
Mehr wurde nicht erreicht, weil die britische Wirtschaft (samt Empire) stak genug war (die amerikanische Industrie ist hingegen in schlechtem Zustand).
Der Erfolg in dem Rüstungswettlauf zur See war hingegen möglich, weil die Dreadnought Revolution bisherige Ausrüstung veralten ließ (die Amis benutzen ncoh weitgehend Ausrüstung aus den 80ern).
Es ist mir schleierhaft, wie diese gewagten Prognosen bezüglich der nötigen Zeiträume zum Aufholen entstehen. Die Geschichte würde eher unter zehn Jahre nahe legen, aber Studien und Kommentatoren sprechen meist von 20-40 Jahren.
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Donnerstag, 5. November 2009 um 14:06
Interessante Punkte. Es waere vielleicht sinnbringender, mal direkter US- und chinesische Wehrbeschaffungs-Philosophie und -Realitaet gegenueberzustellen und darauf basierend eine – vorsichtige – Prognose fuer den einigermassen absehbaren Zeitraum -2025 aufzubauen. Da muss man nur bei der Marine anfangen, um die erste These zu entwickeln, dass die Amerikaner sehr bald sehr grosse Kopfschmerzen bekommen werden. Ein paar gute Beobachter haben sie jetzt schon.
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Donnerstag, 5. November 2009 um 19:14
Was automatisch mit China genannt werden muss ist die kaum vorstellbare Menge an Menschen. “Human Waves” klingen nicht sonderlich modern aber dennoch wären wir mit unseren Wertevorstellungen, sicherlich unangenehm überascht wenn diese auf potentielle Gegner losrollen. Sollte das in Verbindung mit weiterem wirtschaftlichem Wachstum, zu einer nur halbwegs modernen Ausstattung führen, ist dieses Land schneller Weltmacht als wir China sagen können. Und Ansprüche werden über kurz oder lang geltend gemacht werden und da ist Taiwan möglicherweise nur der Anfang. Warum sollte China auch nicht den Anspruch haben eine Weltmacht zu werden? Um nochmal die Menschenmenge vor Augen zu führen, wenn im einem Krieg die Anzahl der Bewohner Deutschlands, also 82 Mio, fallen so ist dies in China, als Stelle hinterm Komma zu vermerken. Ich finde das beeindruckend aber ganz und gar nicht beruhigend.
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Freitag, 6. November 2009 um 09:15
Ein einfacher Rüstungsvergleich hat bei China wenig Aussagekraft, solange man die politische Dimension ausblendet. Mal abgesehen von der Frage, ob es wirklich eine Rivalität zwischen einem autoritären China und den USA geben muss..
Es gibt für Chinas Entwicklung keine historische Parallele. Wir reden hier von einem autoritären System mit Markwirtschaft, dessen Legitimation sich allein aus Wachstumsraten speist. Und selbst das könnte in Zukunft von der Bevölkerung nicht mehr als ausreichend empfunden werden. Die chinesische Mittelschicht wächst alle paar Jahre um 100.000.000 Menschen an. Es würde allen Erfahrungen widersprechen, wenn diese Entwicklung keine Auswirkung auf das politische System in China hätte.
Ich wage deshalb mal frech die Prognose, dass Chinas Führung sich einer Illusion hingibt, wenn sie glaubt sie könnte das Land langfristig so unter Kontrolle halten. Das funktioniert vielleicht im Sozialismus des 20. Jahrhunderts, aber nicht in diesem “Experiment”.
Entweder wird China demokratisch oder verdammt instabil. Und dabei habe ich Minderheiten, die größer als die deutsche Bevölkerung sind, noch gar nicht miteinbezogen.
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