Hubi-Klage: Resignation?
Per e-mail hat uns die Klage eines der 800 – 1.000 Hubschrauber-Piloten der Bundeswehr erreicht, die tiefgreifende Resignation ausspricht. U.E. ist das nicht die vereinzelte Stimme eines Sonderlings, sondern ein Urteil, das man als repräsentativ für die Lage annehmen muss:
“Man sollte dem Minister aber auch nicht verschweigen, warum die personellen Ressourcen erschöpft sind…..
Dies liegt weniger daran, dass die Heeresfliegerkräfte Afghanistan stemmen müssen, sondern an dem ganzen anderen Mist, mit dem sich das Gros der Piloten herumschlagen muss.
Die Bundeswehr ist in ihrer Konzeption auf den Inlandsbetrieb ausgelegt. Jeder Dienstposten muss besetzt sein, um den Routinedienst aufrechterhalten zu können. Jeder Pilot, der “andere” Tätigkeiten ausübt, fehlt also als Luftfahrzeugführer.
Lassen wir einmal aussen vor, das unsere Nato-Partner uns ohnehin müde belächeln, weil wir den geforderten Standard von 180 Flugstunden pro Pilot und Jahr lange nicht erreichen…..
In früheren Zeiten waren die Piloten hauptamtlich Luftfahrzeugführer. Mit immer weniger Flugstunden hat man die “Nebenaufgaben” erhöht, damit die Piloten
a) nicht sinnlos herumsitzen und
b) um die immer grösseren Abwesenheitszeiten durch Lehrgänge usw auffangen zu können.Mittlerweile kann eine Staffel ihren Routinedienst nicht mehr aufrechterhalten, wenn nur einige wenige Piloten ausfallen (oder gar Mechaniker – die sind noch stärker belastet als die Piloten) – weil niemand mehr da ist, der Aufgaben mit übernehmen kann.
Dazu kommt noch die Einstellung einiger weniger (meist der älteren) Generation, die in den letzten 30 Dienstjahren schon mehr als genug “um die Welt” gereist sind und auch die eine oder andere Ehe haben scheitern sehen, die sich in den letzten Jahren eben eine ruhigere Verwendung gewünscht hätten (und die sie verdient hätten), anstatt 2x jährlich nach Afghanistan zu fliegen und sich dort mit 2 oder 3 Kameraden einen Container zu teilen.
Kurzum:
Solange sich unsere Struktur nicht grundlegend und bis in die kleinste Zelle ändert, wird sich auch das Problem nicht lösen lassen – auch und erst recht nicht durch “neue” Muster, egal ob sie NH90, Tiger oder A400M heissen …Das einzige, was die ganzen “Transformisten” mit ihren ganzen Umstrukturierungen bei den Soldaten bis jetzt erreicht haben ist:
Resignation
Diese Resignation wird sich in Zukunft entladen (müssen): Entweder durch eine erneute Kündigungs- bzw. Abwanderungswelle (die es nach offiziellen Quellen bisher ja noch nicht gegeben hat – auch wenn meine persönlichen Erfahrungen anderes beweisen), oder aber durch eine massive Häufung von Zwischenfällen und Unfällen – weil immer mehr unerfahrene Piloten für Einsätze “Combat-Ready” erklärt werden, damit die Einsätze weiterlaufen können.Jedem, der behauptet, die Bell UH1 D könne nicht in Afghanistan eingesetzt werden, kennt sich mit der Materie nicht aus. Die “amerikanische” UH1 H, die baugleich mit der UH 1 D der Bundeswehr ist, wird in Afghanistan geflogen; das weiss ich aus allererster Quelle, der eigenen nämlich.
Hier zeigt sich mal wieder, das “die Oben” keine Ahnung von der eigentlichen Thematik haben (und auch nicht müssen – dafür gibt es Fachleute).
Aber “die Unten”, welche nicht richtig wollen, weil man ihnen in den letzten Jahrzehnten ein wahres Korsett angelegt hat, werden immer wieder einen Grund finden, um nicht “zu müssen”.
Das ist nun die Konsequenz von der seit Anfang der 90´er Jahre sukzessiv durchgeführten Entmilitarisierung dieser Armee, welche von der jeweiligen Regierung immer weiter vorangetrieben wurde…..”
Unser “Hubschrauber” hat uns einen Link mitgeschickt, den wir um einen zweiten ergänzen.
In diesen Tagen soll “oben” die Entscheidung fallen, ob letztlich der UH1-D in AFG eingesetzt wird. Im Gespräch soll die Einrüstung einer EWS-Anlage (Electronic Warfare) sein, die durch Laser aufgefasste anfliegende Flugabwehrraketen (MANPADS) auffassen und den Ausstoss von Täuschkörpern auslöst. Das wäre unnötig, weil es diese Bedrohung überhaupt nicht gibt.
Falls der diskutierte Einbau neuer Triebwerke beschlossen wird, der neue Prüf- und Zertifizierungsverfahren und entsprechendes Pilotentraining zur Folge hätte, wäre eine weitere langwierige Zeitverzögerung zu erwarten. Wenn die oa. Gleichung UH1-H = UH1-D richtig ist, was wir nicht bezweifeln, wäre noch eine Frage zu klären.
{Lieber e-mails als Resignation – und ein hubiges Wochenende!}